Fahrbericht Boxster S

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Vergleich zum SLK

UNTENOBENMeine Frau besitzt einen SLK 230 Kompressor mit AMG Federn und AMG 17 Zoll Rädern und dieses Fahrzeug fühlt sich nicht einmal im Ansatz so agil und direkt an wie der Boxster S. 

Das mögen SLK Freunde nicht gerne hören aber es entspricht der Realität. Die direkte Lenkung des Boxster S vermittelt einen Fahrspass, der seinesgleichen sucht. Dagegen fühlt sich die SLK Lenkung zu leicht und indifferent an. Selbst mein ehemaliger 996 Carrera 4 mit M030 Sportfahrwerk fühlte sich deutlich schwerfälliger als der „S“ an. Auf engen Strassen dürfte der 996 dem Boxster S sogar leicht unterlegen sein, zumindest könnte der „S“ sicherlich locker mithalten. 

UNTENOBENEs ist unglaublich was man mit dem Boxster S anstellen kann und welche Fahrfehler dieses Spassmobil verzeiht. Das Fahrwerk ist in meinen Augen das Porsche Sahnestück und stellt für mich in seiner Auslegung, vor allem als M030 Fahrwerk, das ultimative Sportroadster Fahrwerk dar. Die neuen Bremsen des „S“, sie stammen zum einem großen Teil vom 996 ab, sind das Nonplusultra auf dem Markt. Kürzere Bremswege hat kaum ein Serienfahrzeug und die gelochten Scheiben im 996 Format mit roten Bremssätteln verzögern brachial und fadingfrei. 

Der Motor

UNTENOBENDer Motor steht dem Fahrwerk in Nichts nach. Er hat die Powerreserve ab ca. 5000 U/min, die dem Boxster immer gefehlt hat und auch nach der Einführung des 2.7 l Motors immer noch fehlt. Im höheren Drehzahlbereich, in dem sich der Boxster Motor mit 220 PS bereits ein wenig zugeschnürt anfühlt, zieht der Boxster S Motor mit einer Kraft und Elastizität, die wirklich begeistert. Die Drehfreude ist beim Boxster S fantastisch und die Gasannahme durch das E-Gas sehr spontan und direkt. Fast im jeden Drehzahlbereich fühlt sich der Motor wohl und mit einem Drehmoment von 305 Nm bei 4500 U/min (Boxster: 260 Nm bei 4750 U/min, Boxster alt: 245 Nm bei 4500 U/min) ist der Durchzug in fast allen Fahrsituationen souverän. Das Drehvermögen des 3.2 l Motors ist sehr gut und fast dem 996 Motor ähnlich. Vibrationsfrei dreht der Motor bis zum Drehzahlbegrenzer hoch und begeistert mit einem Motorengeräusch, das dem Boxster deutlich überlegen ist. Nur das bekannte „Boxster Motorpfeifen“ bei gewissen Drehzahlen deutet darauf hin, dass man immer noch in einem Boxster sitzt. 

UNTENOBENDer Auspuffklang, vor allem bei geöffnetem Verdeck, stellt alles was man bisher vom Boxster kennen gelernt hat in den Schatten. Der sägende Klang ist eher vom 911 bekannt, mit dem neuen Porsche Sportauspuff für den Boxster setzt der Boxster S in dieser Hinsicht sogar fast Maßstäbe für einen sportlichen Klang. Nur der 996 mit Porsche Sportauspuff kann den Boxster S im Auspuffklang noch übertreffen. 

Und der Preis?

UNTENOBENIst der Unterschied zwischen Boxster und Boxster S den Aufpreis für den „S“ wert? Diese Frage kann ich eindeutig mit JA beantworten. Der Boxster S ist ein echter Sportwagen alten Schlages und macht dem Namen Porsche alle Ehre. Der Boxster dagegen ist ein Sport-Roadster erster Sahne mit einem Touch Komfort, aber immer noch mehr Sportlichkeit als Fahrzeuge vom Schlage eines SLK oder Z3. Meiner Meinung nach ist der Boxster S sogar ein direkter Konkurrent für das 996 Cabrio, in Punkto Sportlichkeit ist er diesem vielleicht sogar in ein paar Punkten überlegen. Trotzdem hat das 996 Cabrio ein paar Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind: zwei extra Sitzplätze (z.B. für Kinder) und ein Motor der mit 300 PS nicht nur zum ruhigen Gleiten geeignet ist. Als Carrera 4 mit Allradantrieb ist das 996 Cabrio dann auch als Schlechtwetterfahrzeug kaum zu schlagen, mal abgesehen von dem PSM, das in allen Fahrsituationen für eine überlegene Fahrsicherheit sorgt. 

Kritik

UNTENOBENUnd hier meine Kritikpunkte am Boxster S: 

  • der mangelnde Platz für extra Passagiere, seien es auch nur Kinder (aber das ist wohl bei einem Roadster zu verschmerzen), und 
  • das Fehlen des PSM Systems in der Aufpreisliste. Das PSM würde zum agilen Boxster S grandios passen und die bereits hohe Fahrsicherheit weiter erhöhen und auf ein fast narrensicheres Niveau hieven. Aufgrund des bereits vorhandenen E-Gas dürfte eine PSM Adaption im Boxster S kein Problem für Porsche darstellen. 
  • Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist der immer noch lieblose Innenraum, trotz gewaltiger haptischer und optischer Verbesserungen im Vergleich zum „alten“ Boxster der Jahrgänge 97/98. 
UNTENOBENDagegen sind die optischen Unterschiede des Boxster S zum Boxster sehr geschickt gewählt und finden meine vollste Zustimmung. Ein Doppelrohrauspuff, ein zusätzlicher silberfarbener mittiger Lufteinlass, gelochte Bremsscheiben mit roten Bremssätteln und der Instrumententräger mit Anzeigen im Alulook und 300 km/h Tacho sind effektive aber doch dezente Hinweise auf das potente Boxster Modell.

UNTENOBENDer Boxster S Schriftzug im Innenraum ist ein netter Gag. Die Serienausstattung ist für ein Fahrzeug dieser Preisklasse immer noch lächerlich gering, Klimaanlage oder eine volle Lederausstattung sind immer noch auf der ellenlangen Aufpreisliste.

UNTENOBENMein persönliches Fazit: der Boxster S ist das Fahrzeug, das man von der Marke Porsche erwarten darf und kann. In meinen Augen ist der Boxster S ein Meisterstück der Porsche AG, in Hinsicht der Agilität und des Spaßfaktors dürfte es kaum einen faszinierenderen Roadster auf dem Markt geben. Wenn Boxster, dann Boxster S. Denn nur im Boxster S bekommt man das Porsche Fieber frei Haus geliefert und nur im „S“ fühlt man sich auch als 911er Fahrer wohl, ohne große Tränen zu vergießen. Die paar Tausender Aufpreis sind wahrlich gut angelegt, man bekommt fast einen 911er im "Boxster Gewand". Das ist es doch wert, oder?
 


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