Le Mans 2001- Abschlussbericht vom Qualifying
 

Audi in Le Mans erneut auf der Pole Position
Zum zweiten Mal in Folge startet Vorjahressieger Audi bei den 24 Stunden von Le Mans von der Pole Position. Im Abschlusstraining am Donnerstagabend gelang es dem Italiener Rinaldo Capello im Infineon Audi R8 mit der Startnummer zwei, die Bestzeit zu unterbieten, die sein Teamkollege Tom Kristensen am Vortag erzielt hatte. Nur um 0,029 Sekunden getrennt, starten die beiden Infineon Audi R8 in Le Mans aus der ersten Reihe.
Während sich die Vorjahressieger Frank Biela, Tom Kristensen und Emanuele Pirro während des Abschlusstrainings auf die Rennabstimmung ihres Infineon Audi R8 konzentrierten, ging Capello kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch einmal auf Zeitenjagd. Nachdem er den ersten Versuch wegen einsetzenden Nieselregens abbrechen musste, war er im zweiten Anlauf erfolgreich: Mit 3.32,429 Minuten fuhr er eine neue Bestzeit. 

    Laurent Aiello, Rinaldo Capello und Audi Neuling Christian Pescatori gehen damit am Samstag um 16 Uhr von der Pole Position aus vor ihren Audi Teamkollegen Frank Biela, Tom Kristensen und Emanuele Pirro ins Rennen.

    Wie im Vorjahr liegen nach dem Zeittraining sogar drei Audi an der Spitze des 48 Wagen starken Starterfeldes: Johnny Herbert, Ralf Kelleners und Didier Theys verteidigten im R8 des amerikanischen Champion-Teams den dritten Platz, den sie bereits am Mittwoch erzielt hatten. 

    Große Fortschritte machte im Abschlusstraining das Team von Stefan Johansson: Der Schwede verbesserte sich mit der drittbesten Zeit des Tages vom achten auf den fünften Startplatz. Nur Capello und Jan Lammers im Dome-Judd waren am Donnerstag schneller als Johansson, der sich den Audi R8 mit der Startnummer 4 in Le Mans mit Tom Coronel und Patrick Lemarie teilt.

    Während es für das Johansson-Team im Abschlusstraining noch um eine deutliche Verbesserung der Startposition ging, konzentrierte sich das Audi Werksteam in erster Linie auf die Rennvorbereitung. Beide Infineon Audi R8 waren bereits mit den für das Rennen vorgesehenen Motoren ausgerüstet.

Stimmen nach dem 2. Zeittraining

Frank Biela (#1): „Dass wir in der letzten Trainingssitzung noch die Pole verloren haben, ist schade für uns, aber überhaupt nicht ausschlaggebend für das Rennen. Wenn man vorne steht, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch gewinnt. Das Auto muss 24 Stunden lang komfortabel zu fahren sein. Darauf haben wir bei unserer Abstimmung hingearbeitet.“

Tom Kristensen (#1): „Für uns war das Qualifying gestern. Heute haben wir uns ganz auf die Rennabstimmung konzentriert und relativ viel am Auto geändert. Keine Frage, Dindo hat einen phantastischen Job gemacht. Die Pole um 0,029 Sekunden zu verlieren, ist hart. Trotzdem bleibt natürlich das Rennen die Hauptsache.“

Emanuele Pirro (#1): „Das war ein langer Tag, und es war nicht so einfach, eine gute Abstimmung zu finden. Ich kann nicht sagen, dass ich wegen der verlorenen Pole Position enttäuscht bin. Es ist zwar immer schön, vorne zu stehen, aber das wichtigste ist, für das Rennen ein gutes Auto zu haben. Ich hoffe, das ist der Fall.“

Laurent Aiello (#2): „Ich freue mich, dass wir auf der Pole Position stehen. Das ist eine gute Ausgangsposition, vor allem, wenn es regnet. Ich hoffe zwar nicht auf Regen, aber gerade dann ist es sehr wichtig, vorne zu liegen. Ich freue mich für Dindo, der den Job gut erledigt und Startplatz eins geholt hat. Während des Trainings haben wir viel ausprobiert und einige sehr interessante Dinge gelernt, die uns im Rennen helfen werden.“ 

Rinaldo Capello (#2): „Auf meiner Qualifikations-Runde musste ich ein langsameres Auto überholen, der Rest der Runde war relativ frei. Trotzdem wusste ich nicht, wie schnell ich war, denn ich konnte die Zeit in meinem Display nicht sehen. Ich bin bis zum Schluss am Limit gefahren und hatte das Gefühl, dass es eine gute Runde war. Als ich die Zeit dann auf der Boxentafel gesehen habe, war ich sehr glücklich. Es ist ein tolles Gefühl, in Le Mans die Pole Position geholt zu haben, denn dieses Rennen mag ich 
sehr. Ich liege aber nur 0,029 Sekunden vor Tom. Das heißt, dass ich nicht wirklich schneller als er war, nur heute etwas mehr Glück hatte.“

Christian Pescatori (#2): „Alles lief gut. Ich bin viele Runden am Stück gefahren. Das Auto ist mit vollem Tank sehr gut und sehr schnell. Das einzige Problem sind die anderen Autos. Die Geraden sind sehr schmal, und wir sind dort sehr schnell, deshalb muss man beim Überholen besonders aufpassen.“

Johnny Herbert (#3): „Ich bin sehr glücklich, mein erstes Le Mans-Rennen seit neun Jahren aus der zweiten Reihe in Angriff zu nehmen. Der dritte Startplatz ist großartig, und wir haben ein exzellentes Rennauto – es zu fahren, ist eine Freude. Ich hätte gerne mehr Zeit am Steuer verbracht, aber dazu werde ich wohl während des Wochenendes noch genügend Gelegenheit bekommen.“

Ralf Kelleners (#3): „Wir sind wirklich happy. Der dritte Startplatz ist genau das, was wir erhofft hatten. Wir gehen also mit einer sehr guten Stimmung in das Rennen. Technisch hat bei uns auch alles gut funktioniert. Jetzt geht es darum, die Strategie für das Rennen festzulegen.“

Didier Theys (#3): „Am Anfang wurden die hinteren Bremsen zu heiß, deshalb habe ich mich in der ersten Schikane gedreht. Nachdem wir etwas Klebeband von den Lufteinlässen entfernt hatten, war die Bremsbalance wieder in Ordnung. Wir haben heute Nacht Boxenstopps und Fahrerwechsel geübt und mehr Erfahrungen im Dunkeln gesammelt.“

Tom Coronel (#4): „Ich bin nicht so viele Runden gefahren, wie ich das gerne getan hätte. Aber es hat genügt, um zu verstehen, warum der Audi R8 im letzten Jahr die ersten drei Plätze belegt hat. Das Auto ist unglaublich, und ich bin sicher, dass wir im Rennen die Gelegenheit haben werden, das volle Potenzial des R8 aufzudecken.“

Stefan Johansson (#4): „Kurz vor 21 Uhr bin ich mit Qualifikationsreifen auf die Strecke gegangen, und habe mich auf den fünften Platz verbessert, im zweiten Teil des Qualifyings dann noch einmal um weitere Zehntelsekunden. Erst in den letzten 90 Minuten haben wir uns auf die Rennabstimmung konzentriert. Ich bin zuversichtlich, beim Rennen ein gutes Auto zu haben.“

Patrick Lemarie (#4): „Ich bin sehr lange am Stück mit vollen Tanks gefahren, das Auto fühlte sich dabei gut ausbalanciert an. Im Verkehr habe ich besonders aufgepasst, denn darauf kommt es auch im Rennen an. Ich habe meine persönliche Bestzeit verbessert und einen guten Rhythmus gefunden.“

Reinhold Joest (Team Direktor Audi Sport Team Joest): „Es sieht gut aus. Wir haben zwei siegfähige Infineon Audi R8 und gute Piloten, die Erfahrung haben. Wir sind bestens gerüstet, um eventuell eine Wiederholung des Vorjahressieges nach Hause zu fahren. Aber wie immer gehört das Quentchen Glück dazu. Schließlich haben wir eine Distanz von mehr als 5000 Kilometer zurückzulegen. Und was das bedeutet, weiß jeder.“

Thierry Boutsen (Projektleiter Champion Racing): „Ich bin sehr zufrieden. Die Fahrer haben ein gut ausbalanciertes und schnelles Auto. Wir müssen unsere Boxenstopps noch etwas besser organisieren, denn das Rennen wird eigentlich an der Box gewonnen oder verloren. Ich habe in Le Mans schon viele gesehen, die aufgrund falscher Entscheidungen verloren haben.“ 

Mike Earle (Team Direktor Johansson Motorsport): „Wir haben im ersten Teil des Trainings mehr als eine Stunde eingebüßt, weil wir die Spurstange wechseln mussten. Anschließend ist Stefan mit Qualifikationsreifen auf die Strecke gegangen, hat bei den wenigen Minuten,  die ihm noch zur Verfügung standen, eine unglaubliche Leistung gezeigt, und sich nach der Pause gleich noch einmal gesteigert. Wir haben uns auf Platz fünf nach vorne geschoben. Das ist nicht gut genug, aber ich bin sicher, es ist okay für da
s Rennen.“

Dr. Wolfgang Ullrich (Audi Sportchef): „Nach den ersten zwei Stunden habe ich nicht mehr gedacht, dass die Zeiten an der Spitze noch verbessert werden können. Das war dann doch noch der Fall. Es war zwar sehr knapp, aber Dindo hat die Pole geholt. Unsere Autos liegen innerhalb einer Zehntelsekunde. Auch die Audi Kundenteams haben gute Leistungen gezeigt. Jetzt hoffe ich, dass es für alle 24 Stunden lang problemlos läuft und wir einigermaßen vernünftiges Wetter haben.“
 

Die Startaufstellung in Le Mans

  1. Aiello/Capello/Pescatori (Infineon Audi R8), 3.32,429 Min. 
  2. Biela/Kristensen/Pirro (Infineon Audi R8), 3.32,458 Min.
  3. Herbert/Kelleners/Theys (Audi R8),  3.34,349 Min.
  4. Lammers/Hillebrand/Crevels (Dome-Judd), 3.34,838 Min.
  5. Coronel/Johansson/Lemarie (Audi R8),  3.35,128 Min.
  6. Beretta/Wendlinger/Lamy (Chrysler), 3.36,155 Min.
  7. Brundle/Ortelli/Smith (Bentley),  3.36,535 Min.
  8. Collard/Goossens/Bernard (Cadillac), 3.37,402 Min.
  9. Wallace/Leitzinger/van de Poele (Bentley), 3.37,408 Min.
10. Gache/Beltoise/Policand (Courage-Judd), 3.38,746 Min.
 

 

Fotos (C) Audi AG
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© copyright by Redaktionsbüro Kebschull   18.06. 2001