50 Jahre Porsche - Ein umfassender Rückblick


Ich bedanke mich bei der Porsche Pressestelle für die umfangreichen Materialien, die ich für die nachfolgenden Seiten benutzt habe,


2 Die Geschichte der Porsche-Sportwagen

Fahren in seiner schönsten Form

Vor 50 Jahren entstand das erste Automobil mit dem Markennamen Porsche, der Typ 356 Roadster mit der Fahrgestellnummer 356.001. Ein modifizierter 1,1 Liter-VW-Motor, der bei 4.000 U/min 35 PS leistete, verhalf dem Wagen zu einer Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Bis dahin hatte Porsche als Konstruktionsbüro ausschließlich Auftragsentwicklungen für andere Firmen durchgeführt. Das berühmteste Beispiel: der Volkswagen, genannt Käfer.

"Keine Schraube hätte ich anders gemacht"

Werksfoto Porsche AGFerdinand "Ferry" Porsche (am 27. März 1998 im Alter von 88 Jahren verstorben) und bewährte Mitarbeiter hatten im während des Krieges nach Gmünd in Kärnten verlagerten Betrieb mit der Entwicklungsnummer 356 begonnen. Am 17. Juli 1947 entstanden die ersten Konstruktionszeichnungen, und am 8. Juni 1948 erteilte die damalige Kärntner Landesregierung eine Einzelgenehmigung zur Zulassung des Wagens. Kommentar von Ferrys Vater, Professor Dr.-Ing. h.c. Ferdinand Porsche, nachdem ihn seine Familie aus französischer Internierungshaft freigekauft hatte: "Keine Schraube hätte ich anders gemacht." Der Nr. 1 folgte noch in Gmünd eine Kleinserie von 52 Wagen. In Stuttgart wurden von 1950 bis 1965 insgesamt 78.000 Exemplare des Typs 356 gebaut.

Seit der Internationalen Automobilausstellung 1963 in Frankfurt am Main heißt die Fortsetzung dieser Porsche-Geschichte "911".

911: Der am längsten gebaute Sportwagen der Welt

"Wir mußten vom 356 wegkommen", sagte Ferry Porsche, "denn letzten Endes hatten wir mit diesem Auto auf der Grundlage von VW-Teilen begonnen." Trotz zahlreicher Weiterentwicklungen am Fahrzeug und verschiedener Motorisierungen in der Serie bis zu zwei Liter Hubraum und 130 PS waren den Möglichkeiten des ersten Porsche-Sportwagens Grenzen gesetzt. Ferrys Sohn Ferdinand Alexander Porsche entwarf den Nachfolger des 356, den Typ 911, der zunächst die Bezeichnung "901" trug. Den bisherigen Vierzylinder löste ein völlig neuer und sehr entwicklungsfähiger Sechszylindermotor ab, der dem

Wagen mit anfänglich zwei Liter Hubraum und einer Leistung von 130 PS zu einer Höchstgeschwindigkeit von gut 210 Kilometern pro Stunde verhalf. Zu den technischen Details gehörte bereits eine Sicherheitslenkung, mit der die Ingenieure drei Fliegen mit einer Klappe schlugen: Das knapp über dem Karosserieboden liegende Lenkgetriebe ließ mehr Platz für Gepäck unter der flach abfallenden Fronthaube, die Lenkspindelanordnung in

der Fahrzeugmitte erleichterte die Fertigung von wahlweise Links- oder Rechtslenkerautos, und die zweifach räumlich geknickte Lenksäule hinderte diese im Fall einer Frontalkollision, den Fahrer schwer zu verletzen.

Wie der Volkswagen-Käfer als Großserienauto ist der Porsche 911 der bis heute am längsten gebaute Sportwagen der Welt. Ein besonderes Highlight des 911-Serienprogramms stellte Porsche auf dem Pariser Automobilsalon 1974 mit dem 911 Turbo vor, der eigentlich nur für eine Produktion von 500 Fahrzeugen geplant war. Bis zur Auslieferung des letzten luftgekühlten 911 am 31. März 1998 hat Porsche insgesamt 32.335 Exemplare des Modells Turbo gebaut und verkauft.

914/914-6: Die Mittelmotor-Porsche

Neben der jahrzehntelangen Entwicklungstätigkeit für das Volkswagenwerk kam es noch einmal zu einer engeren Zusammenarbeit mit VW, als Ferry Porsche beschloß, einen Sportwagen unterhalb der 911-Preisklasse anzubieten. Da die Ingenieure in Wolfsburg ebenso wie in Stuttgart-Zuffenhausen vom Mittelmotorkonzept überzeugt waren, entstand 1969 der Typ 914 als Mittelmotor-Sportwagen mit herausnehmbarem Dach und Vierzylinder-Einspritzmotor von VW mit anfangs 1,7 Liter Hubraum, gefolgt vom Typ 914-6 mit dem Zweiliter-Sechszylinder-Motor des 911 T. Der 911 T war zu jener Zeit mit 125 PS das Einstiegsmodell der Elfer-Baureihe. Im 914-6 leistete das Triebwerk 110 PS.

924: Beginn der Transaxle-Ära

Ebenfalls aus einer Zusammenarbeit mit VW ging der Porsche 924 hervor, den Porsche ursprünglich für VW entwickelt hatte, 1975 aber in das eigene Modellprogramm übernahm. Dieser erste Porsche in Transaxle-Bauweise mit wassergekühltem Frontmotor und an der Hinterachse angeordnetem Getriebe brachte es einschließlich der Weiterentwicklungen und Nachfolgemodelle Porsche 944 und 968 und ihrer Varianten in 20 Jahren auf rund 30 Prozent der gesamten Porsche-Produktion (325.231 Fahrzeuge).

928: Gran Turismo der Spitzenklasse

Der einzige jemals zum "Auto des Jahres" gekürte Sportwagen wurde von 1977 bis 1995 in Zuffenhausen gebaut: Der große Reisesportwagen Porsche 928 war, abgesehen vom 911 Turbo, stets der teuerste in Serie hergestellte Porsche. Er fand weltweit rund 61.000 Käufer. Als die meisten Automobilhersteller noch gewichtige Graugußmotoren bauten, stattete Porsche den 928 schon mit einem Voll-Aluminium-Triebwerk aus. Es schöpfte 1977 aus 4,5 Liter Hubraum 240 PS, in der letzten Version, dem 928 GTS, aus 5,4 Liter Hubraum 350 PS. Dieser bärenstarke Motor beschleunigte den 928 GTS dank seines maximalen Drehmoments von 500 Nm in 5,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Die Spitzengeschwindigkeit betrug 275 km/h - ein Hinweis auf die enormen Fahrleistungsreserven dieses reinrassigen Gran Turismo. Für das sichere Kurvenverhalten und die Spurtreue bei Lastwechsel sorgte die eigens für den 928 entwickelte Hinterradaufhängung, die sogenannte "Weissach-Achse": Lange bevor andere Hersteller mit "Vierradlenkung" warben, nahmen Porsche-Ingenieure diese Technik schon in den siebziger Jahren ohne anfällige Elektronik auf mechanischem Wege vorweg.

Boxster im VerkaufsraumPorsche Boxster: Der perfekte Roadster

Einen neuen Leistungs- und Sicherheitsstandard im Marktsegment der offenen Sportwagen setzt seit September 1996 der Porsche Boxster, der die fahrdynamischen Qualitäten eines Sportwagens mit uneingeschränkter Alltagstauglichkeit verbindet. Eine neuartige Verdeckkinematik ermöglicht konkurrenzlos schnelles Öffnen und Schließen des elektrisch zu bedienenden Verdecks in nur zwölf Sekunden.

Von seinen schärfsten Wettbewerbern grenzt sich der Boxster durch sein Mittelmotorkonzept mit Porsche-typischem Sechszylinder-Boxermotor ab (2,5 Liter Hubraum, 204 PS/150 kW), der sich in praxisnahem Fahrzyklus mit weniger als zehn Liter Super Plus pro 100 Kilometer begnügt. Mit dem Luftwiderstandsbeiwert von cW = 0,31, der Spitzengeschwindigkeit von 240 km/h und seiner Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,9 Sekunden ist er Klassenbester.

Das Modell 911: Erfolgsgeschichte ohne Ende

Im Herbst 1997 hat im 911 ein wassergekühlter Sechszylinder-Boxermotor nach 34 Jahren den luftgekühlten Vorgänger ersetzt. Der neue 911-Motor ist bei kleinerem Hubraum (3,4 Liter) leistungsfähiger, sparsamer und umweltfreundlicher. Er leistet 300 PS (221 kW) bei 6.800/min und erreicht sein maximales Drehmoment von 350 Nm bei 4.600 U/min. Seine Schadstoff-Emissionen sind deutlich geringer und unterschreiten selbst die Euronorm. Auch der Geräuschpegel liegt unter künftigen Grenzwerten, obwohl der einzigartige "Elfer-Sound" nach wie vor unverkennbar ist.

Das Design des 911 für das 21. Jahrhundert folgt ebenso der traditionellen Linie. Dennoch ist sein Erkennungswert als neues Modell sehr hoch. Trotz Wahrung der typischen 911-Silhouette haben die Designer die Karosserie auf der ganzen Linie gestrafft, geglättet und dabei auch noch seine Aerodynamik wesentlich verbessert. Der Luftwiderstandsbeiwert sank von cW = 0,33 auf 0,30. Die Kunden in aller Welt haben der Arbeit der Ingenieure und Designer im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach eindeutig applaudiert: Die Nachfrage nach dem Neuen übertrifft alle Erwartungen. Noch weiter ist sie gestiegen seit der Vorstellung des neuen 911 Cabriolets. Porsche-Freunde sprechen mittlerweile von der "unendlichen Geschichte" des 911.




Zuletzt aktualisiert 20.06.98 (Update 07.10.98) vom Redaktionsbüro Kebschull Fax: 05903 670-2