50 Jahre Porsche - Ein umfassender Rückblick


Ich bedanke mich bei der Porsche Pressestelle für die umfangreichen Materialien, die ich für die nachfolgenden Seiten benutzt habe,


4 Porsche Know How für die gesamte Industrie

"Wir entwickeln für Kunden weltweit"

"Fast in jedem Auto steckt ein Stückchen Weissach", sagen Porsche-Ingenieure mit etwas Stolz. Längst vor der Entstehung des heutigen Forschungs- und Entwicklungszentrums Weissach hat Porsche für externe Kunden der Fahrzeugindustrie Entwicklungsaufgaben gelöst.

Als in Gmünd im österreichischen Bundesland Kärnten vor 50 Jahren als Typ 356 Nr. 1 der erste Porsche-Sportwagen entstand, arbeitete Ferry Porsche mit Ingenieuren und Technikern seines Vaters auch schon wieder an Entwicklungsaufgaben für Industriekunden. Professor Ferdinand Porsche senior hatte zu diesem Zweck bereits 1931 sein Ingenieurbüro in der Stuttgarter Kronenstraße gegründet. Unmittelbar nach dem Krieg verdiente die Porsche-Mannschaft ihren Lebensunterhalt mit eher unspektakulären Aufgaben. Es ging zum Beispiel um Ski-Bindungen und Seilwinden oder Maschinen für die Torf-Brikettierung. Aber auch für das Volkswagenwerk arbeitete Porsche: ein Zwischengetriebe, ein Schwerstoffmotor und schließlich ein Dieselmotor wurden für den Käfer entwickelt. Und aus Italien kam der Auftrag zur Entwicklung des berühmten Cisitalia-Rennwagens, dessen Konstruktion seiner Zeit weit voraus war.

Bescheidene Anfänge

Modell-PaletteNach der Rückkehr nach Stuttgart-Zuffenhausen waren die Anfänge auch hier bescheiden. Zunächst dienten um 1950 die fast leere Autobahn Stuttgart-Heilbronn und das Straßennetz um Stuttgart als Erprobungsfeld. Mitten im damals dünnen Verkehr testeten die Porsche-Ingenieure, was in Zuffenhausen gezeichnet und gebaut worden war. Aber der Verkehr nahm zu; zwangsläufig wurden extreme Fahrversuche auf öffentlichen Straßen immer schwieriger. Ab 1953 stand zwar für bestimmte Fahrversuche ein nahegelegener kleiner Flugplatz zur Verfügung, doch dessen Grösse und Quergefälle waren wenig ideal. 1954/55 wurde klar, daß das Problem auf lange Sicht nur auf einem eigenen Prüfgelände gelöst werden konnte mit der Möglichkeit, unter Ausschluss der Öffentlichkeit alle denkbaren Fahrsituationen zu schaffen. Dieses Areal wurde schließlich zwischen den Orten Weissach und Flacht im Landkreis Böblingen gefunden. Am 29. Januar 1960 hielt der damalige Versuchsingenieur Helmuth Bott in einer mit Skizzen versehenen Aktennotiz erstmals das "Projekt Weissach" fest. Bott hat übrigens alle Weissach-Phasen mitgeprägt - als Versuchsingenieur drehte er auf dem Skid Pad seine Runden, als Versuchsleiter überwachte er den Prüfbetrieb auf den später erstellten Rundkursen, und als Entwicklungsleiter beaufsichtigte er die allmähliche Übersiedlung seiner gesamten Crew nach Weissach. Von 1978 bis 1988 war Professor Helmuth Bott Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung der Porsche AG.

Ferry Porsche machte den ersten Spatenstich

Aus dem ersten Konzept entstand rasch ein spruchreifes Projekt, das den Segen der Geschäftsleitung fand. Ferry Porsche tat am 16. Oktober 1961 mit einem Bulldozer den ersten "Spatenstich" zum Prüfgelände. Genau ein Jahr später wurden Zufahrtswege und Skid Pad ihrer Bestimmung übergeben.

Der Entwicklungsbereich mit Konstruktion, Versuch und Designabteilung befand sich unverändert in Stuttgart-Zuffenhausen und expandierte dort noch schneller als die Produktion. Das Werksgelände allerdings ließ sich längst nicht mehr erweitern. Deshalb führte für die Entwicklung bald kein Weg mehr an Weissach vorbei. Alle Prüfstrecken waren noch nicht einmal fertig, als dort im Februar 1969 mit dem ersten Abschnitt zum Bau des heutigen Entwicklungszentrums begonnen wurde. Im Sommer 1971, vor nun schon mehr als einem Vierteljahrhundert, begann der Umzug aus Zuffenhausen in das bereits damals modernste Versuchszentrum der Welt. Mit von der Partie war die Abteilung Abgasprüfung. Ihre Rollenprüfstände waren auf Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h einstellbar. Schon damals lief eine Messabgasführung zu Analysenschränken im Kontrollraum. Den Dauerlauf der Probanden steuerte per Lochstreifen und Pneumatikzylinder ein "automatischer Fahrer", der im Rhythmus der vorgeschriebenen Fahrzyklen Gas-, Brems- und Kupplungspedal sowie den Schalthebel betätigte.

Forschung im Dienst der Umwelt

Drei Jahre später wurde nach den Prüfständen, den Werkstätten und Laboratorien auch das Bürogebäude des Entwicklungszentrums eingeweiht. Damit konnte Porsche sämtliche Entwicklungsabteilungen bei nach damaligen Maßstäben optimierter Arbeitsorganisation in Weissach konzentrieren. Daß nach dieser Expansion dennoch nur ein "vorläufiger Abschluss" erreicht war, mutmaßte man bei Porsche schon damals.

Die nächste beträchtliche Werkhallenerweiterung stand 1981 an, schließlich drängten nicht nur die eigenen Ingenieure, sondern vor allem auch die Entwicklungskunden aus der Fahrzeugindustrie weltweit auf größere Kapazitäten für Abgasmessung und Emissionsoptimierung. So wurde im Spätherbst 1982 das "Meßzentrum für Umweltschutz" mit autark arbeitendem Prüfgebäude und einer Nutzfläche von 5.500 Quadratmeter mit völlig neuen Prüfständen eingeweiht. Hier ermitteln die heutigen Abgasrollenprüfstände mikroprozessorgesteuert zu jedem Zeitpunkt die realen Fahrwiderstände der jeweiligen Fahrzeuge, die mit statistisch gesicherter Meßgenauigkeit und jederzeit reproduzierbar nach USA-City- und Highway-Test, Europa-Test, Japan-Test oder anderen Zyklen automatisch gefahren werden. Eine Klima-/Druckkammer aus Stahl gestattet es, Abgas- und Verbrauchstests, aber auch viele andere Entwicklungstests unter einem breiten Klima- und Höhenspektrum zu durchfahren. Eine Besonderheit: Das Forschungs- und Entwicklungszentrum Weissach hatte als erste Einrichtung dieser Art die Erlaubnis der US-Behörden, Abgasprüfungen mit Testat für US-Importe durchzuführen.

Der hohe Stand der Abgasforschung im Porsche Forschungs- und Entwicklungszentrum war auch ein Grund für Audi, BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Porsche, das seit Januar 1996 arbeitende gemeinsame "Abgaszentrum der Automobilindustrie" (ADA) in Weissach zu gründen.

Als "Mekka des technischen Fortschritts" wurde das Forschungs- und Entwicklungszentrum schon von Kunden bezeichnet. Tatsächlich bietet Weissach ein unvergleichliches Leistungsspektrum modernster Technologie, gestützt auf Fachingenieure aller Sparten, die dazu beitragen, Träume, Visionen und Innovationsideen der internationalen Entwicklungskunden Wirklichkeit werden zu lassen.

Speziell für die Entwicklung und Auftragsfertigung für Kunden hat Porsche zudem die Porsche Engineering Services (PES) gegründet, deren Neustrukturierung zu einem Kostenrückgang bei Personal und Prüfeinrichtungen bis zu einem Drittel geführt hat - Kostenvorteile, die Porsche voll an die Kunden weitergibt. Das einzigartige Leistungsangebot von PES umfaßt Systementwicklungen von Komponenten wie Motoren, Getrieben, Fahrwerken oder Sicherheitssystemen bis zu Komplettfahrzeug und Kleinserienfertigung. Die Firma Porsche ist weltweit der einzige Anbieter, der sogar komplette Fahrzeuge im Kundenauftrag entwickelt. Porsche will den Bereich der Auftragsfertigung mit der Entwicklung und Produktion von Hochtechnologiefahrzeugen für Kunden weiter forcieren. Kundenentwicklung und Fertigung werden auch künftig ein strategischer Geschäftsbereich von Porsche sein.

Porsche Engineering Services, die gleichnamige in den USA ansässige Tochtergesellschaft, wird ebenfalls verstärkt in Anspruch genommen, insbesondere für Stahlleichtbauprojekte wie ULSAB (Ultra Light Steel Auto Body). Starke Nachfrage nach Entwicklungsleistungen zeigt der asiatische Raum. Wachstumsschübe gehen hier vor allem von den Märkten Korea und China aus. Zusätzlich kann Porsche für seine Kunden auf die Leistungen von Porsche Engineering Services GmbH (PES) in Bietigheim-Bissingen zurückgreifen. Auch zur bedarfsgerechten Kapazitätserweiterung - und um die Arbeitszeiten flexibler gestalten zu können - hat Porsche dieses Tochterunternehmen 1995 gegründet. Der Tätigkeitsschwerpunkt sind Konstruktionsdienstleistungen in den Bereichen Karosserie und Mechanik. Für die nächsten Jahre sieht Porsche Engineering Services interessante Möglichkeiten bei der Entwicklung von Nischenprodukten für Automobilkonzerne.

Ausgezeichnete Qualitätsstandards

Als erster Automobilhersteller hat Porsche schon 1994 für den Bereich der Kundenentwicklung die international gültige Norm ISO 9001 für höchste Qualitätsstandards erfüllt. Mit dieser neuen DIN-Norm wird auch eine wesentliche Vereinfachung erreicht: Sämtliche typisierungspflichtigen Produkte müssen nur noch im Herstellerland geprüft werden und erfüllen damit gleichzeitig die Anforderungen aller EU-Länder.




Zuletzt aktualisiert 20.06.98 (07.10.98) vom Redaktionsbüro Kebschull Fax: 05903 670-2