50 Jahre Porsche - Ein umfassender Rückblick


Ich bedanke mich bei der Porsche Pressestelle für die umfangreichen Materialien, die ich für die nachfolgenden Seiten benutzt habe,


6 Siege auf höchsten Niveau (Porsche-Motorsport)

Ein halbes Jahrhundert Porsche-Motorsport

Der Motorsport gehört zu Porsche wie das Wasser zum Meer. Die Marke aus Stuttgart-Zuffenhausen war in nahezu jeder Kategorie des Automobil-Rennsports auf höchstem Niveau erfolgreich. Acht Weltmeisterschaften im Langstreckensport, drei WM-Titel in der Formel 1, 15 Le Mans-Siege, Rekordsiege bei den Klassikern in Daytona, Sebring (USA) und beispielsweise der Targa Florio (I) sind ein kompetenter Nachweis. Weltweit haben Porsche-Sportwagen rund 23.000 Renn-Siege erzielt. Die technischen Inhalte waren und sind für das Porsche-Engagement im Sport wichtiger als die reine Jagd nach Siegerkränzen.

Am 11. Juli 1948, der Porsche 356 Nr. 1 war noch keine fünf Wochen alt, fuhr ihn Porsche-Neffe Herbert Kaes beim ersten Automobilrennen seit Kriegsende in Österreich, dem Innsbrucker Stadtrennen. Mit dem bescheiden motorisierten Fahrzeug von 1.131 Kubikzentimeter Hubraum und der Leistung von 35 PS bei 4.000 U/min errang er auf Anhieb den Klassensieg.

Kundensport hat Tradition

RennsportSeit damals gehört der Kundensport - der Verkauf von siegfähigen Rennsportwagen an private Teams und Fahrer - zur Porsche-Tradition. Porsche-Fahrer erzielten in den beiden folgenden Jahren Erfolge, zum Beispiel 1950 der Österreicher Otto Mathé mit einem Klassensieg bei der Internationalen Alpenfahrt. Mehr Aufsehen erregte freilich ein Klassensieg der Franzosen Veuillet und Mouche bei den 24 Stunden von Le Mans 1951. Mit ihrem 635 Kilogramm leichten Coupé aus der in Gmünd gefertigten Serie und einem dank neuer Nockenwelle 46 PS leistenden 1,1 Liter-Motor legten sie 2.842,65 Kilometer mit einem Gesamtdurchschnitt von 118,4 km/h zurück, mit beachtlichen Rundendurchschnitten bis zu 140 km/h. Für den David unter vielen Goliaths bedeutete dies immerhin den 20. Rang im Gesamtklassement.

Auf kaum einer anderen Rennstrecke der Welt sind Porsche-Fahrer seither so zu Hause wie in Le Mans. Nach vielen weiteren Klassensiegen mit damals kleinvolumigen Autos gelang Porsche hier im Jahre 1970 der erste Gesamtsieg. Hans Herrmann und Dick Attwood errangen ihn auf einem 917 K mit 4,5 Liter Hubraum. Mittlerweile hat keine andere Automobilmarke dieses heute älteste Langstreckenrennen der Welt so oft gewonnen wie Porsche: bis 1997 fünfzehnmal, darunter allein siebenmal in Folge von 1981 bis 1987.

In den fünfziger und großenteils noch in den sechziger Jahren trat Porsche mit Rennsportwagen von weniger als zwei Liter Hubraum an und war weltweit abonniert auf Klassensiege. Doch schon 1956 errang Umberto Maglioli auf einem 550 A Spyder bei der berühmten Targa Florio in Sizilien gegen scheinbar übermächtige Konkurrenz den ersten Gesamtsieg für Porsche. Beim Straßenmarathon Lüttich-Rom-Lüttich gelang dies Claude Storez und Robert Buchet 1957 auf einem Porsche 356 Carrera Speedster.

Vom Klassen- zum Gesamtsieger

Auf Porsche 718 RSK gewann Wolfgang Graf Berghe von Trips 1958 die Europa-Bergmeisterschaft. Döry/Mieres holten 1959 den ersten Gesamtsieg in Daytona auf Porsche RS 1500. Und 1962 siegte Dan Gurney beim Großen Preis von Frankreich in Rouen. Es war das erste Formel 1-Rennen, das ein Porsche-Fahrzeug (Typ 804 mit 1,5 Liter Achtzylinder-Boxermotor, 180 PS) für sich entschied. Den mittlerweile sechsten Gesamtsieg bei der Targa Florio sicherte 1964 einer der schönsten Porsche Rennsportwagen, der von Ferdinand Alexander ("Butzi") Porsche gestaltete 904 Carrera GTS.

Die Porsche-Domäne war stets der Motorsport mit Prototypen und Sportwagen, weil hier - auch optisch - eine Brücke zu den Serienfahrzeugen geschlagen werden konnte. Unvergessen sind die vielen erfolgreichen Porsche-Rennsportwagen vom Typ 906, 907 (Dreifach-Sieger in Daytona), 908 (erstmals Marken-Weltmeister 1969), 910, 917, 935, 936, 956 und 962 bis zum heutigen 911 GT1, die mit dem Werksteam, aber auch beim Einsatz mit professionellen Privatteams große Siege in der ganzen Welt erzielt haben. Viele Zeilen würden die großen Rennfahrer-Namen füllen, die mit diesen Fahrzeugen erfolgreich waren.

Auch der Rallye-Sport war viele Jahre lang eine Porsche-Domäne. Der 911 erlebte seinen ersten Motorsport-Einsatz 1965 bei der Rallye Monte Carlo mit Herbert Linge und Peter Falk als Fünfter im Gesamtklassement hinter Eugen Böhringer und Rolf Wütherich auf 904 Carrera GTS. 1968 wurde ein 911 T mit Vic Elford und David Stone erster Porsche-Gesamtsieger bei der Monte. Weitere Gesamtsiege bei diesem Rallye-Klassiker errang der Porsche 911 in den Jahren 1969 und 1970 sowie 1978.

Porsche - die Langstrecken-Spezialisten

Porsche 911 GT1 98Die Liste der Gesamtsiege wurde immer länger. Bei den 24 Stunden von Daytona im Jahr 1968 feierte Porsche einen glänzenden 1-2-3-Sieg. Hans Herrmann und Jo Siffert gewannen vor Vic Elford und Jochen Neerpasch die 12 Stunden von Sebring und Gerhard Mitter wurde zum dritten Mal in Folge Berg-Europameister - mit acht Siegen in acht Läufen.

Hans Herrmann wiederum und Dick Attwood holten 1970 auf einem 4.5 Liter 917 K den ersten Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans nach Zuffenhausen. Helmut Marko und Gijs van Lennep siegten im Jahr darauf mit einem 4.9 Liter 917 K.

1972 gewann George Follmer auf dem 917/10 Turbo die amerikanische CanAM-Meisterschaft. 1973 siegte Mark Donohue auf dem Porsche 917/30, dem mit 1.100 PS bis dahin leistungsstärksten Rennsportwagen aller Zeiten. Seine Gewinnliste weist sechs Gesamtsiege in Folge und einen zweiten Platz aus. Ebenfalls 1973 fand auf dem Madonie-Kurs in Sizilien zum letzten mal die klassische Targa Florio statt. Herbert Müller und Gijs van Lennep triumphierten auf einem 911 Carrera RSR.

Die neu entwickelten Turbo-Rennsportwagen 911 RS 2,1 Turbo (1974), 935 und 936 dominierten 1976 die Langstreckenrennen und brachten Porsche die Sportwagen- und die Merken-Weltmeisterschaft. Den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans fuhren Jacky Ickx und Gijs van Lennep auf einem 936 ein. Bei den fünfzigsten 24 Stunden von Le Mans im Jahre 1981 trat Porsche selber zum 31. Mal an. Diesmal, wiederum auf einem 936, teilte sich Jacky Ickx den Sieg mit Derek Bell und markierte den Beginn einer beinahe unglaublichen Serie: Der Sieger der 24 Stunden von Le Mans hieß von 1981 bis 1987 in ununterbrochener Folge Porsche.

Porsche-Kompetenz auch in der Formel 1

Derweil entwickelten die Renningenieure in Weissach für die TAG-Gruppe den 1,5 Liter V6-Turbo-Formel 1-Motor. Der von diesem Motor angetriebene McLaren-TAG-Porsche gewann die Formel 1-Weltmeisterschaft bereits 1984, seiner ersten vollen Saison, mit Niki Lauda und 1985 und 1986 mit Alain Prost.

Auf dem berühmten Technologieträger 959, den Porsche im September 1985 vorstellte und in nur 292 Exemplaren zum Stückpreis von 420.000 Mark verkauft hat, gewann René Metge mit seinem Beifahrer Dominique Lemoyne 1986 die Härte-Rallye Paris-Dakar. Damit wiederholte dieses Team seinen 1984 auf einem 911 SC Carrera 4x4 errungenen Sieg. Siege in Folge fuhr weiterhin der Prototyp 962 ein, der zum international erfolgreichsten Rennsportwagen aller Zeiten wurde, während Porsche für seine Kunden neue Akzente im Breitensport setzte und 1986 den publikumswirksamen 944 Turbo-Cup startete. Es war die erste Renn-Serie, die ausschließlich mit Katalysator-Rennfahrzeugen bestritten wurde. 1990 folgte der Porsche Carrera Cup, den seit 1993 der im Rahmen der Formel 1-Rennen stattfindende Porsche-Pirelli-Supercup ergänzt.

Auch in den folgenden Jahren dominierte der Kundensport die Porsche-Szene. Gleichzeitig arbeitete Porsche intensiv an der Etablierung des GT-Sports und entwickelte eine neue Generation Rennsportwagen mit dem Typ 911 GT1 an der Spitze. Bei den 24-Stunden von Le Mans 1994 siegte das Werksteam, 1996 und 1997 gab es die Porsche-Triumphe Nummer 14 und 15. So oft hat keine andere Marke die 24-Stunden von Le Mans gewonnen.


Zuletzt aktualisiert 20.06.98 (07.10.98) vom Redaktionsbüro Kebschull Fax: 05903 670-2