Porsche Boxster 2,7 Liter

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Ein Kommentar von Christian Grünberg
 
Der neue Basis Boxster hat einen 2.7 l Motor mit 220 PS und wurde in vielerlei Hinsicht überarbeitet.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt jetzt bei 250 km/h und auch die Beschleunigung von 0-100 km/h läuft jetzt ein paar Sekundenbruchteile schneller ab. Daß Porsche dies nicht an die große Glocke hängt, hat wohl damit zu tun, daß man bisherige Boxster Kunden nicht verärgern möchte bzw. um den Händlern die Möglichkeit zu geben, die Lagerautos, sofern es solche geben sollte, doch noch an den Mann zu bringen. Tatsache bleibt aber, daß der „Neue“ einfach alles ein kleines Stückchen besser kann bzw. zeigt als der „Alte“. Rein äußerlich sind sowohl die bisherige Boxster Version mit 2.5 l Motor und 204 PS wie auch die neue Version des Boxsters praktisch identisch. Unterschiede findet man nur im Detail, z.B. ist der, sich im Heckbereich links seitlich, befindliche Lufteinlaß aus Gründen einer optimierten Kühlung leicht verändert worden, wobei der Unterschied aber nicht sofort ins Auge springt und man schon zweimal genauer hinsehen muß. Im Innenraum fallen die Kontrastnähte bei der Lederausstattung auf (die Nähte sind bei schwarzem Leder hell abgesetzt, was sehr edel und optisch ansprechend aussieht) und natürlich der erweiterte Bereich des Drehzahlmesser, dessen roter Bereich bei etwa 7200 U/min beginnt. 
Bilder folgen

Erweiterung Drehzahlmesserbereich

Der Softlack (alle Pastikteile sind jetzt schwarz lackiert) sieht auch sehr ansprechend aus und erhöht das Wertgefühl dieses Automobils erheblich wobei aber nicht verschwiegen werden sollte, daß sich ein Gefühl der absoluten Hochwertigkeit immer noch nicht auf dem Niveau eines 80000 DM Fahrzeuges befindet, vor allem wenn man bedenkt, daß viele Boxster mit zusätzlicher Ausstattung die 100000 DM Grenze überschreiten können.
 
Das Gesamtambiente des Innenraums wirkt also immer noch einen Hauch zu „billig“, was allerdings durch den neuen Motor zum Teil kompensiert wird. Am Motorsound hat sich nicht viel geändert, vielleicht ist ein rauher Unterton hin und wieder zu vernehmen aber ansonsten überwiegt das pfeifende Schwirren, was allerdings auch ein wenig auf den Geist gehen kann. Der 996 ist da eindeutig angenehmer und nervt die Insassen weniger, wobei der Motorklang des 996 auch einen deutlichen Hauch mehr nach 911 klingt, was eigentlich auch so sein soll. Der Durchzug des Motors aus unteren Drehzahlen heraus ist eindeutig stark verbessert worden. Die Maschine zieht jetzt sauber durch und wirkt außerdem noch einen Deut sportlicher als der 204 PS Motor, der immer etwas „zugeschnürt“ schien.
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veränderter Lufteinlaß

 

 Sehr deutlich auffallend ist auch das scheinbar neu abgestimmte Fahrwerk, daß nicht nur eine Idee sportlicher wurde sondern auch in der Basisabstimmung (ohne Sportfahrwerk) fast keine Seitenneigung zeigt und sehr „knackig“ zu fahren ist. Mein 996 C4 mit 10 mm Sportfahrwerk (M030) wirkt da schwerfälliger und hat deutlich mehr Seitenneigung. Diese Unterschiede könnten auch mit den Reifen zu begründen sein, der Boxster hatte Pirelli P-Zero N2 und mein C4 hat die Continental SportContact N1. Fazit: das Fahrwerk des neuen Basis Boxster kann wirklich begeistern und ermöglicht dem Boxster auf kurvigen Landstraßen zu jeder Zeit eine leichte Überlegenheit gegenüber dem großen Bruder 996.  Ich weiß nicht was Porsche am Boxster Fahrwerk gemacht hat aber das würde ich mir für meinen 996 auch wünschen, denn wie toll muß dann erst das Boxster 10 mm Sportfahwerk sein. Eine Fahrt im Boxster S könnte eine sehr interessante Erfahrung werden.
Zusammenfassend muß man leider (aus der Sicht der Besitzer älterer Boxster) sagen, daß der neue Basis Boxster eine deutliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Boxster bedeutet. Auch wenn äußerlich alles beim alten geblieben ist, so hat man diesmal dem Schaf den Wolfspelz unter die Haut implantiert. Das ist, so glaube ich, die beste Beschreibung für den neuen Boxster. Ob sich ein Wechsel vom alten auf den neuen Boxster lohnt bzw. zwingend zu empfehlen ist, wage ich zu bezweifeln, denn trotz der Verbesserungen des Neuen, gehört die 204 PS Version nicht zum alten Eisen. Einzig und alleine Besitzer des ersten Baujahres des Boxsters, 1997 und solche die sich zum ersten Mal einen Boxster zulegen wollen, sollten jetzt ernsthaft ans Um-/Einsteigen denken. Und wen die paar Tausender Aufpreis nicht schmerzen oder schrecken, der sollte dann gleich dem neuen Boxster S den Zuschlag geben. Die 252 PS machen aus dem Wolf im Schafspelz einen Wolf im Wolfspelz und das kann ja auch nicht ganz falsch sein. Porsche hat sich mit dem neuen Boxster sichtbar Mühe gegeben und es bleibt zu hoffen, daß mit dem deutlichen Plus an Fahrspaß auch ein Plus an Qualität dazugekommen ist. Die Sicherheit des Neuen wurde übrigens angeblich auch verbessert, die A-Säulen sind verstärkt worden. Mein Tip für alle die mit dem Gedanken an einen gebrauchten Boxster spielen weil sie ein wenig sparen wollen: legt lieber ein paar Tausender drauf und kauft den 2.7 l Boxster. Übrigens sind 2-3 Monate Lieferzeit ein gutes Argument für den Neuen, da der jetzige Sommer sowieso vorbei ist und man dann mit den ersten Sonnenstrahlen des Jahres 2000 das Verdeck öffnen und das neue Fahrzeug genießen kann. Der Boxster S hat angeblich etwas längere Lieferzeiten (etwa April/Mai 2000 wenn man jetzt bestellt) aber man liegt dann trotzdem noch „gut in der Zeit“, denn der Frühling ist dann gerade erst am „Erwachen“. Übrigens: wer jetzt auf Boxster Schnäppchen hofft, weil der neue jetzt auf dem Markt ist, der hat sich in den Finger geschnitten. Die Gebrauchtwagenpreise sind hoch und man sollte sich wirklich zweimal überlegen ob man dann nicht eher einen neuen „Neuen“ oder einen neuen „Alten“ (stehen teilweise noch bei den Händlern) kauft. Einen Nachlaß auf den Neupreis kann man immer heraus handeln, das bleibt dem Verhandlungsgeschick eines jeden einzelnen Kunden überlassen. Abschließend möchte ich noch ein wenig Kritik loswerden: wenn schon ein neuer Motor und eine neue Version (Boxster S) zum Einsatz kommen, dann hätte man auch das Äußere ein klein wenig retuschieren können. Eine größere Überarbeitung steht beim Boxster in naher Zukunft an (Gerüchte besagen MJ 2001) und es wäre sicherlich geschickter gewesen, die Überarbeitung als Gesamtkonzept (Motor und Karosserie) anzubieten. Wie dem auch sei, der Standard Boxster ist deutlich besser geworden und kann um so mehr zum Kauf empfohlen werden. Wenn die Qualität stimmt ...

BILD FOLGT
  Kontrastnähte
 


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