Porsche - Sportfahrwerk


Ein Kommentar von Dipl.-Ing. (FH) Gerd Kebschull

Was ist passiert? Porsche stellt fest, daß es zu Rissen in der Karosseriestruktur kommen kann, wenn ein Sportfahrwerk eingebaut wurde. Betroffen sind aber nicht die Porsche-Sportfahrwerke!? Was will man mit dem Rundschreiben erreichen? Daß die Tuner die Finger von den Porsche-Pfründen lassen sollen?

Versuchen wir einmal technisch das Problem anzugehen: Moderne Autos werden durch die Methode der finiten Elemente Methode (MEF) berechnet. Dazu werden fast unzählige Gleichungen aufgestellt, über die man dann die Bauteile dimensioniert. MEF bedeutet, daß man riesige Matrizen aufstellen und diese über Rechenanlagen berechnen läßt. Nur so ist es überhaupt möglich, „extremen" Leichtbau zu realisieren. Der Rechner legt beispielsweise fest, daß an einer definierten Stelle ein Verstärkungsblech in „der und der" Form mit einer Dicke von „soundsoviel" Millimeter benutzt werden muß. Natürlich sind die Abmessungen, die Form (man spricht in diesem Zusammenhang von Widerstand- und Trägheitsmoment) und auch das Material wichtig. Ich bin davon überzeugt, daß die Porsche-Ingenieure ebenfalls die Kräfte berücksichtigt haben, die bei einem Sportfahrwerk auftreten.

Wo ist jetzt der Fehler entstanden? Wurde die falsche Methode gewählt, waren die Daten falsch, so daß das Programm zu schwach dimensioniert hat? - Oder wurde einfach an der falschen Stelle gespart, also falsches Material eingesetzt? Die Antwort kann nur eine neue Berechnung inkl. Berücksichtigung der Sportfahrwerke geben. Eine andere Möglichkeit wäre eine Befundung aller Porsche-Fahrzeuge mit Sportfahrwerk - also Rückrufaktion. Wenn man weiß, wo man suchen muß, lassen sich Risse heute relativ einfach und kostengünstig nachweisen - oder bestenfalls kann der Beweis geführt werden, daß keine Beanstandung festgestellt wurde.

Ein ziemliches Dilemma für Porsche! Das wird teuer und ich denke, daß jeder Porsche-986/996-Kunde mit Sportfahrwerk sein Fahrzeug überprüfen lassen will, denn schließlich besteht, so Wortlaut Porsche: „Risiko für Leib und Leben...". Kurios ist natürlich, daß dieses Risiko nicht beim Porsche-Sportfahrwerk besteht, sondern nur bei den „Fremd-Tunern". Was hat Porsche anders gemacht? - oder anders gefragt, wo haben die Tuner den Fehler gemacht, daß Risse entstehen können? Ich hoffe, daß die Tuner auch hier auf der Page „Farbe bekennen".

Ich bin gespannt wie es weitergeht. Natürlich hoffe ich auf eine offizielle Stellungnahme von Porsche, beispielsweise durch Herrn Pippig oder durch einen leitenden Ingenieur. Natürlich ist es wichtig, daß ich hier - so viele wie möglich - Meinungen veröffentlichen kann. Also - schicken Sie Ihr Statement zu dem Thema. Alle Beiträge werden unzensiert veröffentlicht!

PS. Porsche liest diese Seite auch regelmäßig. Vielleicht können wir ja im positiven Sinne etwas bewegen!


Zuletzt aktualisiert 17.01.99 von Redaktionsbüro Kebschull. Die namentlich gekennzeichnet Beiträge werden nur vom Redaktionsbüro Kebschull redaktionell betreut und entsprechen nicht der Meinung von Sportwagen-hp.de!