Porsche - Sportfahrwerk


Ein Kommentar von Christian Grünberg

"Was haben ein VW Golf, ein BMW der 3er Klasse und ein Opel Astra gemeinsam?

Nun ... sie können problemlos tiefergelegt werden ohne Angst für Leib und Leben. Was hat ein 986/996 mit den vorher genannten Fahrzeugen gemeinsam? Nun ... der 986 kostet im Schnitt 100000 DM, der 996 im Schnitt 150000 DM und ... legt man sie mehr als 10 mm tiefer, riskiert man laut Aussage der PAG Leib und Leben.

Toll! Da dachte ich nun mit dem 996 den Sportwagen aller Sportwagen zu fahren und nun muß ich erfahren, daß mein Leben an ein paar Millimetern hängen könnte. Strukturelle Risse der Karosserie sollen auftreten, sehr interessant. Ab wann können diese Risse auftreten? Ab 11 mm Tieferlegung oder gar schon bei 10,1 mm? Wie hoch ist die Toleranz? Wie sicher sind Fahrzeuge, die bereits das Porsche Sportfahrwerk mit 10 mm Tieferlegung fahren? Treten diese Probleme auch mit kürzeren Federn auf oder nur mit Sportfahrwerken?

Der Kunde ist mal wieder der Dumme und wird in Stich gelassen. Bereits im Dezember sollen die Händler informiert worden sein ... ich wußte gar nicht daß DIE ihr Leib und Leben riskieren! Es ist ein Skandal wie Porsche mit seinen Kunden umgeht und man macht es sich bei der PAG sehr leicht, wenn man die Schuld auf die Tuner schiebt. Wenn Porsche Sportfahrwerke mit 30 mm Tieferlegung bewirbt (was sie jetzt übrigens nicht mehr tun - im aktuellen Tequipment/Exclusive Katalog sind diese jedoch noch verzeichnet), dann kann auch der Kunde davon ausgehen, daß eine Tieferlegung bis 30 mm seiner Gesundheit nicht schaden dürfte.

Ich kenne inzwischen sehr viele 986 und 996 Fahrer, die ihr Fahrzeug vor allem mit kürzeren Federn tiefergelegt haben (einige davon mit Federn von H&R, die auch in den Supercup 996 Fahrzeugen verwendet werden) und durchaus davon ausgegangen sind, aus ihrem Porsche wieder lebend und unversehrt aussteigen zu können.

Was soll jetzt passieren? Sollen alle modifizierten Fahrzeuge (mit gültigem TÜV wohlgemerkt) wieder umgerüstet werden? Wer trägt die Verantwortung, wer die Schuld und noch wichtiger für die Porsche Kunden: wer trägt die immensen Kosten? Porsche tut sich überhaupt keinen Gefallen damit, die Kunden an die Tuner oder an die PZ's zu verweisen, die die Federn oder Sportfahrwerke eingebaut haben. Damit ist man zwar, rechtlich gesehen, wohl aus dem Schneider aber diese betroffenen Kunden werden wohl ihren letzten Porsche gefahren haben und es werden sich auch andere jetzige und zukünftige Porsche Kunden die berechtigte Frage stellen: wie sicher ist ein Fahrzeug mit eindeutigen strukturellen Schwächen?

Wer garantiert dafür, daß im nächsten Jahr Porsche nicht alle 986 und 996 aus dem Verkehr zieht, weil man wohl entdeckt, daß die strukturellen Risse nicht nur bei Sportfahrwerken auftreten? Diese ganze Geschichte erinnert ein wenig an den A-Klasse Skandal und ich kann Porsche nur einen sehr guten Rat geben (inzwischen gehöre ich sicherlich zu den Kunden, die den 996 und seine Fahrer sehr gut kennen): bietet eine kulante Lösung an, zu mindestens für umgerüstete Fahrzeuge VOR dem Bekanntwerden des Schreibens an die Händler und Tuner und versucht beim Kunden Erklärungsarbeit zu leisten. Sobald die ersten Schlagzeilen in den einschlägigen Fachzeitschriften auftauchen und das Gerede sowie die Gerüchteküche zu kochen beginnen, ist es fast zu spät und die finanziellen Verluste werden für die PAG sicherlich nicht abzuschätzen sein.

Eine Erklärung aus Weissach wäre auch angebracht ... wie es möglich ist, daß nach bekannten Problemen mit dem Boxster Bj. 97 nun wieder fast ähnliche Probleme bekannt werden. Scheinbar werden die Fahrzeuge nicht ausreichend getestet (wie es auch das Problem mit der Ölversorgung bei hohen Querbeschleunigungen mit Slicks beweist) und wer ist dann wieder der Dumme? ...

Menschen wie ich, die sich für ein neues Fahrzeug begeistern und dann auch noch des Nachts schlecht schlafen müssen, denn ich weiß jetzt nicht mehr ob ich mein Ziel sicher erreiche. Eine gute Frage an die PAG bleibt dann noch zuletzt: wie sieht es mit einem Fahrzeug aus, daß das Original Sportfahrwerk mit 10 mm Tieferlegung fährt, das aber (z.B. für die Urlaubsfahrt) voll beladen wurde und somit sicherlich mehr als 20 mm tiefer liegt? Die Antwort würde ich sehr gerne hören. Ich persönlich werde nächste Woche meinen Anwalt konsultieren und auch mit dem Allianz Zentrum Technik in München Verbindung aufnehmen (ich bin bei der Allianz versichert), um zu erfahren, was da los ist und wie die rechtliche Seite aussieht.

Eine vorbeugende Maßnahme, die ich vor allem 986/996 Eignern empfehlen kann, die ihr Fahrzeug umgerüstet haben. Daß die Garantie bei Verwendung von Fremdteilen eingeschränkt werden kann, ist bekannt. Daß eine Autofirma aber einem tiefergelegten Fahrzeug ihrer Marke praktisch die Betriebserlaubnis entzieht (was auch der Fall sein könnte, wenn das KBA eingeschaltet wird), ist ein starkes Stück und für eine Sportwagenfirma wie Porsche ein echtes Armutszeugnis. Der Ärger mit der Qualität meines 996 (s.a. Fahrberichte, Anm. der Redaktion) hat nicht gereicht ... jetzt muß ich scheinbar noch um mein Leben fürchten."

Zuletzt keimt dann auch noch die aus dieser ganzen unseligen Geschichte hervortretende Frage auf, wie sich die ganze Sache mit Distanzscheiben verhält. Gibt es in diesem Falle auch strukturelle Probleme und treten sie in Zusammenhang mit einer Tieferlegung um mehr als 10 mm verstärkt auf ?

Bei den 996 Fahrern sind diese Distanzscheiben nämlich scheinbar sehr beliebt. Die PAG kann sich natürlich leicht aus der Affäre ziehen und behaupten, man hätte schon immer vor Veränderungen an ihren Fahrzeugen gewarnt. Nun ... damit hat sie sicherlich recht aber so einfach sollte man die PAG nicht aus der Verantwortung entlassen. Die PAG hätte schließlich die Pflicht gehabt, das KBA über Gefahren der Fremdumrüstung mit ihren Fahrzeugen hinzuweisen, damit der TÜV bzw. die DEKRA erst gar nicht auf die Idee kommen, solche Umrüstungen abzunehmen.

Ich bin da wirklich gespannt, wie man sich bei der PAG aus der Verantwortung, die meines Erachtens nach trotzdem (noch) besteht, elegant verabschieden will. Herr Pippig wird viel zu tun bekommen...




Zuletzt aktualisiert 16.01.99 von Redaktionsbüro Kebschull. Die namentlich gekennzeichnet Beiträge werden nur vom Redaktionsbüro Kebschull redaktionell betreut und entsprechen nicht der Meinung von Sportwagen-hp.de!