Porsche 996 Turbo

Natürlich bleibt Porsche auch weiterhin Schwerpunktthema bei WWW.sportwagen-hp.DE

Ein Kommentar von Christian Grünberg

Der neue Turbo ist da oder besser gesagt, bald da und jedermann, der nur ein Tröpfchen Porscheblut in den Adern hat, fragt sich, wie der Neue sich wohl fährt. Die Leistungsdaten sind vielversprechend, 420 PS und 305 km/h sind nicht von Pappe und scheinen auf den ersten ?lick derart gewaltige Fahrleistungen zu bieten, daß man vor Respekt in Ehrfurcht erstarrt. Aber die Wahrheit ist: der neue Turbo ist nicht das Fahrleistungsmonster, das uns die Porsche AG auftischen will. 305 km/h? Der GT3 ist nur 3 km/h langsamer und von 0-160 km/h steht der GT3 gegenüber dem neuen Turbo nur um ein paar Sekundenbruchteile zurück. Nun mag man natürlich argumentieren, daß der GT3 an sich schon eine wahre Rakete ist und dementsprechende Fahrleistungen bietet. Das mag zwar stimmen aber nehmen wir zum Vergleich einfach einen alten 964 Turbo 3.6: Laut Testwerten erreicht dieses Fahrzeug eine Geschwindigkeit von 0 auf 200 km/h in knapp 15 Sekunden, was in etwa auch dem Fahrwert des neuen 996 Turbo entsprechen dürfte. Und ein auf „nur“ 430 PS (die nächste Stufe wäre 450 PS) werksleistungsgesteigerter 993 Turbo zieht dem neuen Turbo mit einer Beschleunigung von 0 auf 200 km/h in knapp 13,5 Sekunden auf und davon. Natürlich hat die PAG noch keine Werte für die 0-200 km/h Beschleunigung des 996 Turbo veröffentlicht, aber aus der 0-160 km/h Zeit kann man den Wert grob schätzen. Der neue 996 Turbo will die Ikone des 911 Modellprogramms werden, aber die Konkurrenz fährt langsam aber sicher davon. Selbst urige PS-Monster wie die Dodge Viper machen dem neuen Turbo „die Hölle heiß“ und ein Fahrzeug vom Schlage eines Ferrari Maranello fährt dem 996 Turbo mit einer V-Max. von 320 km/h auf und davon.

Damit man mich nicht mißversteht: natürlich grenzt es fast schon an Absurdität über Fahrwerte jenseits der 300 km/h Marke zu lamentieren, da heutzutage kaum jemand auf der Autobahn in der Lage ist, Geschwindigkeiten über 260 km/h über eine längere Distanz zu fahren.

Trotzdem muß man einfach sehen, daß Porsche einen gewissen Ruf als DER Sportwagenbauer weltweit zu verteidigen hat, zumal die Auslassungen mancher Porsche Verkäufer über die Alltagsqualitäten eines Ferrari wohl ins Reich der Fabel zu verweisen sind. Denn auch einen Ferrari kann man durchaus im Alltag nutzen (wenn man mal vom F50 absieht) und das Qualitätsniveau Ferraris hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Porsche wird einen Teil der ehemaligen 993 Turbo Kunden an die Konkurrenz verlieren, wenn bei der Leistung nicht ein wenig nachgebessert wird. 450 PS sollten das letzte Wort sein und ich kenne eine Menge Leute, mich eingeschlossen, die bei dieser Leistung sicherlich in Jubel verfallen würden. Daß die PAG dem Turbo im Laufe der Zeit durch diverse Leistungssteigerungen mehr Leistungen angedeihen lassen wird, ist nicht zu verleugnen. Allerdings werden diese als Powerkit verkauften Mehrleistungen nicht zu den Sonderangeboten gehören.

Selbst bei 450 PS Basisleistung bleibt noch Luft für eine Leistungssteigerung auf 480 bzw. als ultimative Powerstufe 500 PS. Damit ließe sich immer noch Geld verdienen! Der aus dem GT1 stammende Motor des 996 Turbo dürfte diese Leistung ohne Probleme vertragen und auch wenn man beim Turbo den Kaufpreis auf dem annähernden Niveau des „alten“ halten will, man würde immer noch gut am Turbo verdienen. Alleine das Prestige einen Basisturbo mit 450 PS anzubieten, sollte sich die PAG nicht entgehen lassen.

Fazit

Der Turbo ist mit seinen 420 PS sicherlich nicht untermotorisiert, aber leider auch nicht DIE Powermaschine, die sich die Porsche „Hardliner“ und viele ehemalige 993 Turbo Eigner wünschen. Porsche sollte nicht den gleichen Fehler wie beim 996 machen (trotz großen Erfolges des 996 vor allem in den USA) und dem Turbo einen Hauch „Softigkeit“ mitgeben. Der Turbo-Käufer will schiere Leistung, eine aggressive aber nicht krawallige Optik und begeisternde Fahreigenschaften. In dieser Hinsicht sollte das serienmäßige PSM des Turbo noch einen Hauch später einschreiten, permanent ausschaltbar sein und die nervige Untersteuerneigung des 996 sollte auch abgewöhnt werden. Auch bei der Serienausstattung sollte sich die PAG nicht lumpen lassen: die Wahl zwischen einer Komfort– und einer Sportversion  sollte ebenso kostenlos sein, wie auch die Wahl der Innenausstattung (luxuriös oder sportlich). Man könnte weiterhin genügend Geld mit zusätzlichen Exclusive Ausstattungen verdienen und würde gleichzeitig dem Kunden das Gefühl geben, ein hochwertiges und gut ausgestattetes Fahrzeug erworben zu haben. Der neue Turbo wird endlich zeigen, was die Porsche AG in den letzten Jahren seit ihrer „Gesundung“ dazugelernt hat. Es dürfte genügend Geld in der Sparbüchse sein, um konkurrenzfähige und qualitativ hochwertige Fahrzeuge zu bauen, ohne natürlich den Gewinn aus dem Auge zu lassen. Der neue Turbo wird neu aussehen und dementsprechend sollte er auch neue Akzente in Richtung Leistung, Qualität und Preiswürdigkeit setzen. Porsche sollte bedenken, daß der neue Turbo nicht nur ein Produkt sein wird, sondern für viele Porsche Fans und Kunden eine Art Spiegelbild der Leistungsfähigkeit der PAG unter der Führung Dr. Wiedekings. Bitte enttäuscht uns nicht, liebe Porsche Mannen und zeigt am Turbo was ihr leisten könnt. Es ist noch nicht zu spät und der Kunde wird es euch danken ! Und wenn dann auch noch die Qualität stimmt ...


15.09.99 © byRedaktionsbüro Kebschull Fax: 05903 - 6702 - Impressum

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