Thema März 98 - Bremsproblem beim Porsche 996?


Das Thema des Monat wird heute von Christian Grünberg angesprochen. Durch die Presse geht das Gerücht, daß der Porsche 996 Bremsprobleme hat. Gerücht oder Tatsache? Ich bitte Porsche-Fahrer, besonders 996-Fahrer um Stellungnahme. Alle Statements werden hier ungekürzt veröffentlicht! Antwort an das Redaktionsbüro via E-Mail: Gerd.Kebschull@t-online.de oder Fax: (05903) 670-2


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Autor: Christian Grünberg

14.03.98

Die Werbung ist für den Verkauf eines Fahrzeuges sehr wichtig. Sie kann unter Umständen über Erfolg oder Mißerfolg des Produktes entscheiden und trägt dazu bei, die positiven Eigenschaften eines Produktes zu betonen und in den Vordergrund zu stellen.

Porsche betreibt Werbung für den neuen 911 (996) wie jede andere Autofirma für ihr jeweiliges Fahrzeug, indem man die herausragenden Eigenschaften des 996 hervorhebt. Eine dieser "berühmten" Eigenschaften des 911 soll die fast schon legendäre Bremsleistung darstellen und damit die Aussage Porsche's "den sichersten Sportwagen der Welt" zu bauen" bestärken.

Und was muß ich dann als begeisterter 996 Eigner in einer Auto Zeitschrift (Anm. der Redaktion "Die Auto Zeitung") lesen? Der 996 bremst gar nicht so gut, jedenfalls nicht auf den Continental Sport Contact Reifen, die auch mein Fahrzeug sein eigen nennt. Das ist fatal, eine Mittelklasselimousine hat einen kürzeren Bremsweg als der 996 in diesem o.g. Test.

Ich werde immer trauriger aufgrund der Tatsache, daß ich wohl auf die Porsche Werbung hereingefallen bin. Doch dann fallen mir ein paar Ungereimtheiten in dem Bericht auf! Hat diese Auto Zeitschrift schlecht recherchiert, daß sie nicht weiß, daß in der 18 Zoll Größe auch weitere zwei Reifen als nur, wie behauptet, der Conti für den 996 zugelassen sind. Aha, deswegen hat man dann wohl auch keinen anderen Reifen im Vergleich getestet, zumal es ja auch generell an den 996 Bremsen Defizite geben könnte, unabhängig vom Reifentyp. Der Artikel zum Bremsdefizit macht mich konfus und noch konfuser, wenn ich lesen muß, daß Porsche die Probleme mit dem Conti bestätigt.

Wenn Porsche um das schlechte Bremsergebnis des Conti weiß, wieso hat man mir dann dieses "Ding" an mein schönes Auto montiert. Ist Porsche etwa nicht an meiner Sicherheit interessiert? Schließlich fahre ich nicht gerade langsam. Ach ja, der Komfort soll angeblich gewahrt bleiben. Ich habe das Sportpaket, ich will keinen Komfort, ich will gute Bremsen! Langsam verstehe ich die Welt nicht mehr.

Aber die Geschichte wird für mich noch verwirrender, als ich, rein aus Neugierde, erneut den Test des 996 in einem anderen Automagazin studiere. Wow, knapp 36,5 m Bremsweg von 100 km/h auf 0. Das ist toll, das ist super, das hebt meine Moral ... aber hoppla, was ist das? Der getestete 996 fährt auf Pirelli P-Zero in 18 Zoll Größe?! Ganz nett, nur ... der Pirelli steht in der 18 Zoll Größe nicht in meinem KFZ Schein! Was nun?

Ich will gute Bremsen, aber scheinbar dürfen nur Testwagen gute Bremsen haben. Ich vergleiche einen weiteren Test in einer anderen Autozeitschrift und siehe da, gute Bremswerte und ... Pirelli P-Zero in 18 Zoll. Jetzt kommt bei mir Verzweiflung auf! Wieso dürfen die Herren Testfahrer gut bremsen und ich nicht???!

Aber dann kommt der Schock: ein paar Seiten weiter wird ein 996 Tiptronic mit Conti Reifen getestet und oh Wunder, er bremst sogar besser als der Pirelli.

Was nun? Meine Pirelli Theorie zerfällt wie ein Kartenhaus. Aber was ist dann dran am Bremsproblem mit dem Conti? Oh je, liebe Presse. Warum tut ihr mir das nur an?! Aus gewecktem Interesse und steigender Paranoia beschließe ich alle Artikel zum Thema 996 zu vergleichen und zu analysieren.

Und siehe da, MEIN Gott, noch mehr Ungereimtheiten: Da behauptet eine Zeitschrift der Spoiler des 996 würde ab 80 km/h einfahren (huuch, ich dachte es wären 120 km/h?!) Dann werden Bilder des getesteten 996 mit Sportpaket gezeigt. Ähhh, liebe Presseleute, wo sind denn die Sportsitze geblieben? Der hat doch gar keine! Die Farbe stimmt, das Kennzeichen stimmt, das Sportpaket soll drin sein aber keine Sportsitze. Wieder eine "Sonderversion" der Firma Porsche für Autotester mit Pirelli - aber ohne Sportsitze? In einer anderen Autozeitschrift das gleiche Szenario: Sportpaket aber keine Sportsitze.

Aber ... natürlich ... Pirelli Reifen. Was sonst?! Der zum Vergleich herangezogene 993 hat natürlich kein Sportpaket aber Gerechtigkeit beim Vergleichstest ist ja nicht so wichtig, oder?!

Dann wiederum hat das selbe Fahrzeug (vermutlich) mit den selben Reifen, dem selben Kennzeichen und der selben Farbe in wiederum einer anderen Autozeitschrift wieder recht schlechte Bremswerte ... aber ... natürlich ... Sportpaket ... mit Pirelli ... aber ohne Sportsitze. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Merkwürdig ist auch, daß in allen fünf 996 Tests, mit einer sechsten Ausnahme, alle 996 genau 280 km/h als Höchstgeschwindigkeit erreichten. Nicht 279, nicht 281sondern exakt 280 km/h. Ist Porsche nicht toll, keine Abweichler in der Familie! In einem Test erreichte der 996 diese V-Max. sogar mit Winterreifen. WOW! Und dann behauptet ein Automagazin, der 996 hätte, mal abgesehen von gewissen Qualitätsproblemen, die bei einem 135000 plus Fahrzeug ja absolut akzeptabel sind, eine Anfahrschwäche. Hmmm, 0-100 km/h in 4,9 Sekunden, wo ist da die Anfahrschwäche?! Bei niedrigen Außentemperaturen sollten die Herren vielleicht einen 996 mit Sportpaket, mit Pirelli, mit Sportsitzen - aber ohne Traktionskontrolle testen. Dann wäre, aufgrund des fehlenden ABD, die angebliche Anfahrschwäche beseitigt. Denn falls die Herren Autotester es nicht wissen sollten: bei auch nur leicht glattem Untergrund werden die Räder brachial abgebremst, die Motorleistung gedrosselt, so daß das Fahrzeug trotz Vollgas und hoher Drehzahl für einen Bruchteil einer Sekunde STEHT! Ich habe es ausprobiert. DAS ist die Anfahrschwäche, liebe Sportpaket sine Sportsitze cum Pirelli Autotester (für die Lateiner unter uns). Und dann erzählt uns ein netter Schreiberling in einer anderen Zeitschrift, der Schlüssel des Carrera, inzwischen wassergekühlt (NEIN, der Carrera nicht der Schlüssel!), wäre praktisch halb so groß wie eine Schachtel Zigaretten und sehr schwer wäre, und er würde das nicht verstehen. Also ehrlich gesagt, verstehe ich es auch nicht, da mein Carrera Schlüssel gerade mal eine Idee größer ist, als mein normaler Haustürschlüssel. Vielleicht hat der Herr ja auch versucht, den Carrera mit einer Schachtel Marlboro aufzumachen. Ob das Rauchen nur Krebs verursacht oder auch akute cerebrale Degeneration...?!


Anmerkung der Redaktion:

16.03.98

Die Quellen, auf die sich der Autor Christian Grünberg bezieht sind:
 


Antwort zum oben diskutierten Thema:

 



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Zuletzt aktualisiert 17.04 1998 vom Redaktionsbüro Gerd Kebschull