Thema - Oktober 1998


Das Thema des Monats wird heute (wie fast immer) von mir angesprochen.

Alle Antworten dazu werden hier ungekürzt (unzensiert) veröffentlicht! Antwort an das Redaktionsbüro via E-Mail: Gerd.Kebschull@t-online.de oder Fax: (05903) 670-2


Wie wichtig ist der Motorsport für eine Firma, die Sportwagen herstellt?

Autor: Dipl.-Ing. (FH) Gerd Kebschull

Sicherlich haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob es sinnvoll ist, Millionen von Dollar in die Formel 1 zu investieren - oder ob es vernünftiger wäre, die Verkaufspreise der Produkte zu senken? Klar, Ferrari lebt ja davon, daß dieses Auto sehr teuer und deshalb auch besonders exklusiv ist. Was hat der Kunde davon, daß Porsche zig Millionen in das Le Mans-Abenteuer und weitere Millionen in die FIA-GT-Meisterschaft investiert? Wäre es nicht sinnvoller, dieses Geld in die Qualitätssicherung zu stecken...

Die oberste Maxime bei Porsche war schon immer: „Über den Motorsport - in die Serienfertigung zu investieren". Daß dabei die Autos (z.B. Mercedes CLK GT1 oder Porsche 911 GT1) immer weniger Ähnlichkeit mit der Straßenversion haben, stört sicherlich kaum einen „Endverbraucher" - oder? Ich denke auch, daß Porsche als Sportwagenhersteller es sich nicht leisten kann, kein Geld in den Motorsport zu stecken, weil der Image-Verlust einfach zu hoch wäre. Le Mans hat sicherlich viel Geld gekostet, aber Porsche hat „Risiko gespielt" und gewonnen.

Schauen wir uns den Porsche Carrera Cup - der schnellste Markepokal mit unheimlich interessanten Rennen. Jedes Team kann gewinnen und Überholmanöver finden auf der Rennstrecke und nicht in der Boxengasse statt. Aber leider bekommt diese Serie nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient. In der lokalen Presse liest man nichts darüber, noch nicht einmal in der hauseigenen Porsche-Zeitung Christophorus. Man kann nur froh sein, daß der Sportsender DSF in seiner Reihe TOP 10 regelmäßig über diese tollen Rennen berichtet. Auch der Porsche Pirelli-Cup findet leider wenig Beachtung. Wenn man Glück hat, werden 90 Sekunden bei RTL übertragen, da bekommt man kaum mit, wer gewonnen hat.

Schauen wir uns BMW an. Mit einem „alten" (seriennahen) Auto mischen die im STW-Cup ganz vorn mit. Ich denke, daß die BMW-3er-Fahrer auf diese Leistung auch ein bißchen stolz sind. Leider hat BMW sich aber aus der FIA-GT-Meisterschaft zurückgezogen (BMW McLaren F1), weil das neue Formel 1-Engagement alle Kraft bindet. Das führt meiner Meinung nach dazu, da es nur noch einen Zweikampf zwischen Mercedes und Porsche gibt, und dazu, daß auch diese Serie an Attraktivität verloren hat.

Und wie sieht es bei Ferrari aus? Klar ist das Rennen in der Formel 1 noch nicht gelaufen, daher bleibt es spannend. Aber bringt eine Weltmeisterschaft für Ferrari so viel Image-Gewinn, daß sich dieser gigantische Aufwand lohnt? Für mich ist die Formel 1 sowieso ein Phänomen. Wer hat sich vor 10 Jahren für die Formel 1 interessiert? Das waren nur ganz wenige „Spinner". Klar liegt es daran, daß endlich auch deutsche Fahrer (Schumacher, Frenzen) vorn mitmischen. Ähnlich war es ja auch im Tennis, als Borris und Steffi eine richtige „Tennis-Welle" mit ihren Leistungen erzeugt haben. Aber wie da in der Formel 1 eine „Identifikation-Welle" erzeugt wird, Tausende mit Ferrari-Fahnen, Kappen und Hemden herumlaufen - Leute, die sich in ihrem ganzen Leben nie einen Ferrari leisten können - ist für mich eine kaum zu erklärendes Erscheinung. Klar, das Rennen schaut man sich an, aber die Vorberichterstattung, danach die Highlights, das Qualifying - jetzt wird sogar das Training übertragen und demnächst vermutlich sogar, wenn die Rennautos ausgeladen und wieder verladen werden. Für RTL bringt es Quoten - und solange genügend Leute sich das ansehen, würde auch eine Live-Kamera im Schumachers Garten (es gibt leider nichts zu sehen - egal) sich für eine Reportage lohnen...

Aber was war mit Ferrari in Le Mans los? Da hat Moretti Racing verzweifelt versucht, eine rote Ferrari-Fahne zu schwingen. War das nicht etwas wenig? Sollte da nicht endlich von Ferrari auch ein siegfähiges GT1-Auto entwickelt werden - was selbstverständlich auch wieder Schwung in die GT-Meisterschaft bringen würde.

Zusammenfassend möchte ich daher sagen: Porsche und Mercedes machen es richtig. Sie bauen Autos, mit denen der „normalsterbliche" Autofahrer sich identifizieren kann. Es muß ja nicht gleich ein GT1-Fahrzeug für mehr als eine Million sein - oder ein Auto, was deutlich über 100.000 DM liegt. BMW liegt mit seinem Engagement in der STW gut im Rennen, sollte aber über eine Modifizierung (Evolution) des BMW McLaren F1 nachdenken und Ferrari - die sind sowieso jenseits von „Gut und Böse", aber ein Le Mans-Sieg wäre mindestens so hoch zu bewerten wie eine Formel 1-Meisterschaft - oder?

Das Thema Aug./Sept. Ist durch die Schließung der „Inoffiziellen Porsche Homepage" etwas zu kurz gekommen. Daher ist es das erste Thema auf der Sportwagen-HP. Ich hoffe weiterhin auf „heftige" Resonanz!

Hier kommen die (hoffentlich zahlreichen) Antworten:


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Zuletzt aktualisiert 29.08 1998 (05.10.98) vom Redaktionsbüro Gerd Kebschull